3 gesetzlich anerkannte Pflegemodelle der Schweiz

Pflege ist ein Grundbedürfnis.

In der Schweiz steht pflegebedürftigen Menschen bezahlte Pflege zu – unabhängig davon, von wem sie geleistet wird. Grundsätzlich stehen drei Krankenkassenfinanzierte Modelle zur Verfügung. Die Wahl hängt von der Situation, den Ressourcen und dem Wunsch der betroffenen Person ab.

Die pflegebedürftige Person entscheidet:

Welche Versorgungsform ist gewünscht und geeignet?

In der Schweiz gibt es drei von der Krankenkasse anerkannte und finanzierte Pflegemodelle

Ist ein Angehöriger teilweise oder vollständig in die Pflege involviert oder bereit dazu?

Ja

Angehörigenpflege Modell

Zuhause

Pflege durch vertraute Person
im vertrauten Umfeld

Pflegemodell:

  • Bezugspflege
  • gleichbleibendes Personal
  • Pflegezeiten auf Pflegebedürftige zugeschnitten und kurzfristig auf Bedürfnisse anpassbar

Das Modell in Kürze:

  • Angehörige übernehmen teilweise oder vollständig die Pflege zu Hause.
  • Private Spitex stellt Angehörige als Pflegehelfer an, bleibt aber verantwortlich für die Qualität der Pflege und die Abrechnung mit der Krankenkasse.
  • Diplomiertes Pflegepersonal begleitet und schult pflegende Angehörige in ihren täglichen Pflegeaufgaben

Wann geeignet:

  • Pflege zu Hause wird benötigt
  • Angehörige können Bedarf teilweise oder vollständig abdecken

Nein

Klassisches Spitex Modell

Fremde Personen

Zuhause

Pflege durch fremde Personen
im vertrauten Umfeld

Pflegemodell:

  • keine Bezugspflege
  • wechselndes Personal
  • Vorgegebene Zeitfenster, Wartezeiten, Pflegezeiten nicht kurzfristig auf Bedürfnisse anpassbar

Das Modell in Kürze:

  • Das Personal der Spitex übernimmt die Pflege zu Hause
  • Geeignet bei unzureichender Angehörigenstruktur
  • Auftrag zur Sicherstellung der Pflege
  • Keine / wenig Angehörigenbeteiligung.
    Spitex übernimmt Planung und Durchführung der Pflege sowie Abrechnung mit der Krankenkasse.

Wann geeignet:

  • Pflege zu Hause wird benötigt
  • Pflege kann nicht durch Angehörige gewährleistet werden

Nein

Heim Modell

Fremde Personen

Institution

Pflege durch fremde Personen
im fremden Umfeld

Pflegemodell:

  • Bezugspflege möglich
  • wechselndes Personal
  • Pflegezeiten sind grundsätzlich an die Bedürfnisse der Pflegebedürftigen Person anpassbar

Das Modell in Kürze:

  • Pflege durch Personal in stationärer Einrichtung.
  • Geeignet bei hoher Pflegeintensität oder fehlender / ungeeigneter häuslicher Struktur.
  • Keine / wenig Angehörigenbeteiligung. Heim übernimmt Planung und Durchführung der Pflege sowie Abrechnung mit der Krankenkasse.

Wann geeignet:

  • Pflege zu Hause nicht mehr möglich
  • Vollständiger oder teilweiser Eintritt in stationäre Einrichtung

Hinweis: Dies ist eine vereinfachte Darstellung.
Es sind auch Kombinationen denkbar, insbesondere wenn Betreuung hinzukommt z.B. Angehörigenpflege Modell in Kombination mit einer Tages- oder Nachtstruktur (Heim Modell). Weiter wurden diverse Dienstleistungen zu Verständlichkeitszwecken unter Oberbegriffen subsumiert. So gibt es z.B. auch private Spitexorganisationen die lediglich das klassische Spitex Modell anbieten.

Das Angehörigenpflege Modell hat Vorteile für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige, Zuweiser sowie das gesamte Gesundheitssystem

Vorteile für Pflegebedürftige

  • Pflege im vertrauten Umfeld
  • Pflege durch gewünschte, bekannte Vertrauensperson
    • Pflege angepasst auf Vorlieben, gewohnte Sprache und bereits bekanntem
    • Weniger Schamgefühl bei intimen Pflegesituationen
    • Höheres Sicherheitsgefühl durch vertraute Personen
  • Hohe Beziehungsstabilität als Qualitätsmerkmal
  • Erhalt der Selbstbestimmung im eigenen Zuhause und Einbindung im gewohnten Umfeld
  • Individuell abgestimmt auf Tagesform und Bedürfnisse
  • Weniger Überforderung durch wechselnde Bezugspersonen
  • Frühzeitige Erkennung gesundheitlicher Veränderungen durch langjährige Beziehung
  • Kontinuität durch feste fallführende Bezugsperson
  • Enge Abstimmung mit behandelnden Ärzten

Vorteile für pflegende Angehörige

  • Vergütung der ohnehin erbrachten Pflegeleistungen
  • Fachliche Begleitung und Anleitung zur Erhöhung der Pflegequalität
  • Klare Abgrenzung zwischen familiärer Rolle und professioneller Pflegerolle
  • Unterstützung bei Unsicherheiten im Pflegealltag
  • Reduktion von Überforderung durch fachliche Rückendeckung in schwierigen Situationen
  • Soziale Absicherung im Rahmen der Anstellung
  • Administrative Entlastung
  • Wertschätzung der geleisteten Pflegearbeit

Vorteile für Zuweiser

  • Klare Entscheidungslogik bei bestehender Angehörigenstruktur
  • Planbare und stabile Anschlusslösung
  • Reduzierte Schnittstellen
  • Zentrale Koordinationsstelle spezialisiert auf das Beziehungsdreieck (Pflegebedürftige – Angehörige – Versorgung)
  • Verlässliche fallführende Ansprechperson mit klaren Zuständigkeiten und schneller Reaktionszeit
  • Enge Zusammenarbeit mit und hohe Akzeptanz des familiären Umfelds
  • Transparente Dokumentation
  • Stabilisierung nach Spitalaustritt zur Reduktion von Rehospitalisationen

Vorteile für das Versorgungssystem

  • Entlastung der Gesundheitsversorgung durch Entlastung öffentlicher Spitex und stationärer Einrichtungen
  • Förderung ambulanter Versorgung vor stationärer Versorgung 
  • Reduktion vorzeitiger Spital- und Heimeintritte
  • Stabilisierung bestehender Angehörigenstrukturen
  • Förderung von Eigenverantwortung im familiären Umfeld
  • Zielgerichteter Einsatz von diplomiertem Fachpersonal dort, wo es zwingend erforderlich ist
  • Geringere Abhängigkeit von der Verfügbarkeit von (ausländischem) Pflegepersonal durch nachhaltige Nutzung der verfügbaren Ressourcen
  • Stärkung der Pflegekompetenz in der Bevölkerung 
  • Erweiterung des Fachkräftepotenzials durch Qualifizierung pflegender Angehöriger
  • Reduktion von Erwerbsunterbrüchen und Stärkung der sozialversicherungsrechtlichen Absicherung durch Anstellung

Wir sind Mitglied von

Pflege Verbindet ist Mitglied von ASPS dem Verband der privaten Spitex-Organisationen Schweiz

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Bei Pflege Verbindet stehen Menschen im Zentrum.